PickUps #08 – Sony spielt Armageddon, ich Tischtennis

Heute hat Sony angekündigt, ab 2028 keine physischen Medien mehr herzustellen. Das bedeutet dann ab 2028 keine Discs mehr für PS5-Spiele und natürlich auch nicht für alle zukünftigen Konsolen. Die Playstation 6 wird also rein digital um die Ecke kommen. Microsoft – wenn es überhaupt noch eine neue Xbox-Konsole geben wird – wird da gleichziehen, und auch Nintendo hat ja mit den Keycards schon einen großen Schritt in diese Richtung gemacht. Damit wird ein großer Teil meiner Hobbys in absehbarer Zeit am Ende ankommen – es war absehbar, aber trotzdem ist es schade.

Natürlich kann ich Spiele auch digital sammeln, und es ist ja sowieso viel bequemer und so. Und vielleicht kann man ja dann noch Downloadcodes im Einzelhandel kaufen – aber es ist das Ende des Gebrauchtmarktes, das Ende für Spiele als Eigentum – Gaming wird gänzlich zum Service-Geschäft. Und Videospielen wird deutlich teurer.

90 % meiner Spiele habe ich gebraucht gekauft. Aktuell sind Spiele gebraucht deutlich günstiger als digital in Sonys Store. Und ist der Preisdruck der physischen Konkurrenz erst mal weg, kann Sony die Preise und Angebote auch viel besser diktieren. Sony testet auch schon dynamische Preise – sodass jeder den Preis bezahlt kann, den er verdient – den höchstmöglichen. Spiele alter Konsolen kann Sony uns natürlich zu neuen Preisen erneut verkaufen – macht Nintendo ja auch die ganze Zeit. Dazu kommen Gerüchte über die PS6, die wohl locker über 1000 € kosten könnte. Wer wird sich Gaming noch leisten können? Dienste wie GeForce Now werden die Gewinner sein. Denn da wir digital eh nur Lizenzen kaufen, gehören uns die Spiele ja auch eigentlich nicht mehr. Warum soll ich mir dann überhaupt noch eine Konsole kaufen? Auf Sony-Konsolen gekaufte Filme werden schon jetzt gelöscht – warum sollte es mit Spielen irgendwann nicht ähnlich sein?

Im Schatten dieser Ankündigung wurde dann auch noch schnell mitgeteilt, dass die digitalen PS3- und Vita-Stores schließen. Potenziell werden also auch noch viele rein digitale Titel, die es nur für PS3 oder Vita gibt, für den Endverbraucher und die Spielegeschichte verloren gehen. Eine Tragödie in zwei Akten.

Gute Nachrichten für Liebhaber schlechter Nachrichten. Ich kann nur auf laufenden Petitionen und so verweisen. Ich habe trotzdem einen schönen Haufen Neuzugänge hier auf dem Tisch liegen und freue mich darauf, darüber zu schreiben – schauen wir mal, wie lange das noch klappt.

The Legend of Zelda: Oracle of Ages & Oracle of Seasons

Ages sieht nicht so nice aus, da war ich sparfuchsig

Es war einfach Zeit, und ein ganz klein bisschen CD-Money war auch noch übrig. Also habe ich endlich die beiden einzigen mir noch fehlenden Handheld-Zelda-Titel gekauft: Oracle of Ages und Oracle of Seasons für den Game Boy Color. Ich mag die Zelda-Reihe sehr gerne und habe sonst fast alle Spiele hier rumfliegen.

Beide Oracle-Titel wurden damals zur selben Zeit veröffentlicht und bilden zusammen ein großes Ganzes. Egal, welches der Spiele man zuerst spielt – am Ende des Spiels erhält man ein Passwort, das man am Anfang des anderen Spiels eingeben kann. Dadurch wird der Handlungsstrang des zweiten Spiels etwas erweitert, und dieses endet nicht nur mit dem Kampf gegen den Antagonisten des aktuellen Teils, sondern mit einer Begegnung mit dem großen Übel der beide Spiele umspannenden Handlung: Serienoberbösewicht Ganon.

Interessanterweise wurden die beiden Spiele nicht von Nintendo, sondern von Capcom produziert, und das merkt man auch. Manches im Spiel wirkt ein wenig out of place, und die Handlungen und Orte scheinen ein wenig seltsam bzw fallen aus dem Serienkanon. Oracle of Seasons bietet mehr Action und Ages mehr Puzzle. Ich hab die damals auf der Virtual Console gespielt, meine ich. Beide sind echt sehr kompetent – kommen aber nicht an die Klasse von Link’s Awakening ran.

Als letztes Zelda-Spiel fehlt mir nun nur noch Majora’s Mask auf dem N64. Irgendwie hat sich das nie ergeben – aber ich denke, das ist jetzt auch bald mal fällig.

Bugsnax

Wie gut ist eigentlich dieser Preis?

Wir waren neulich in Frankreich auf Workation. Da ich aktuell im Homeoffice arbeite und meine Partnerin diese Möglichkeit auch nutzen kann, haben wir uns im Frühjahr gedacht, wir müssten mal aus dem Regen raus. Am Ende wurde es die Côte d’Azur bei Nizza – denn da war es warm, es war nicht zu weit weg und vor allem in der Nebensaison sehr günstig. Das gab uns Gelegenheit, nach Feierabend Nizza und Umgebung mit dem Bus zu bereisen, und wie immer im Ausland habe ich die Augen nach einem gebrauchten Mitbringsel aufgehalten.

Fündig wurde ich bei Micromania – einer Kette, die man wohl mit GameStop vergleichen kann: neue und gebrauchte Spiele und Merch ohne Ende. Insgesamt habe ich drei Filialen in und um Nizza herum besucht. Nizza ist nicht gerade riesig, und so war ich echt überrascht, so viele Filialen der Kette zu finden. Und in der Filiale im Zentrum bin ich dann auch fündig geworden. Da gab’s Bugsnax für die Switch mit Handbuch und Stickern für 12 Euro als Occasion! Da sage ich nicht nein sondern Oui.

Bugsnax ist eine Art Puzzle-Action-Adventure in der Ego-Perspektive mit einem starken Storytelling-Schwerpunkt. Auf der Snack-Insel muss man das Verschwinden von ein paar Personen untersuchen, dabei findet und fängt man Bugsnax – Käfer und Essen in einem. Das Ganze ist so ein bisschen ein entspanntes, rätseliges Pokémon ohne Kämpfe und sieht aus wie ein Muppet-Fiebertraum – jedenfalls habe ich das gehört. Technisch soll es auf der Switch jetzt nicht der Hammer sein, aber gucken wir mal – Story, NPCs und der Humor sind wohl sehr unterhaltsam. Jeff Gerstmann – damals noch Giant Bomb – hatte bei Erscheinen sehr positiv über Bugsnax gesprochen, und das blieb mir im Gedächtnis.

Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon

Mit der Bayonetta-Hauptserie kann ich leider nicht so viel anfangen. Vor allem moralisch: Da steht ein selbstbewusster, starker, weiblicher Charakter im Mittelpunkt, trotzdem geht es irgendwie dann aber doch wieder nur um Ärsche. Es ist ein bisschen wie mit Rapperinnen wie Nicki Minaj oder früher Foxy Brown: Die haben das misogyne Rapklischee der leicht zu klärenden heißen Schlampe einfach eingenommen, umgedreht und so wieder die Hoheit über ihre eigene Sexualität zurückerkämpft. Verstehe ich. Ich denke, bei Bayonetta ist das auch so gemeint – aber ob das bei einer fiktiv designten Figur funktioniert, weiß ich nicht. Irgendwie ist es was anderes, wenn ich als männlicher Spieler für gelungene Kombos mit der Nacktheit der Protagonistin belohnt werde. Female Empowerment gegen Objektivierung in derselben Spielsekunde. Verstehe ich nicht so richtig.

Da trifft es sich gut, dass ich mit dem Genre Beat ‚em Up nicht so viel anfangen kann. Zu gleichartig und zu monoton.

Perfekterweise ist aber Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon die Bayonetta-Entstehungsgeschichte: Die sexy erwachsene Hexe ist hier noch ein Kind, gänzlich unsexy und bedient außerdem das Genre des Action-Adventures. Dazu kommt ein schöner, organischer Look, der an ein Bilderbuch erinnern soll. Die Kritiken waren gut, ich probier es mal aus. Viel Lärm um nix.

Rockstar Tischtennis

Nackey Jakey ist ein lustiger YouTube-Mann. Ich glaube, er hat diesen Ganzkörper-Greenscreen-Direct-over-Gameplay-Style erfunden, der in letzter Zeit immer populärer wird. Nackey Jakey finde ich recht unterhaltsam – vor allem, weil er auch immer ganz gute Takes raushaut. Während die Gamingwelt also wegen GTA 6 die Luft anhält, habe ich auf Jakeys Empfehlung Rockstar Tischtennis gekauft. Sein Video hat mich überzeugt.

Tischtennis ist so ein bisschen der Trendsport der urbanen Irgendwas-Dreißiger, und ich kann es nachvollziehen. Draußen mit einem Bier an der Platte stehen, eine rauchen, quatschen und sich dabei leicht bewegen – schlägt Bouldern um Längen. Und das ist auch eine viel schönere Ausrede, als zu fett, alt und unsportlich fürs Bouldern zu sein. Die Variante von Tischtennis, die Rockstar hier präsentiert, ist aber deutlich professioneller und ernsthafter gestaltet. Glaube ich den Anpreisungen, wurde Tischtennis nie so gut umgesetzt. Die Schlagvarianten sind vielfältig und die Gegner echte Herausforderungen.

Ich habe es gekauft, um mal wieder ein arcadiges Spiel zu haben, das ich mal so zwischendurch zocken kann. Mein letztes Tischtennisspiel war, glaube ich, Konamis Ping Pong auf dem C64 – also let’s go!

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