10-IN-3 Ausgang EUR SCART Distributor

Ich spiele meine älteren bis uralten Spiele gerne auf echter Hardware und standesgemäß auf einem Röhrenfernseher. Ich liebe einfach das klassische Gefühl ein Spiel einzulegen, die Konsole zu starten und den Fernseher mit einem Knopf mit langem Schaltweg einzuschalten. Dann fiept es einen Moment, bis die Röhre sich aufgeheizt hat, das Bild braucht eine Sekunde, bis es erscheint, und ich sonne mich in dem warmen, scanlinigen Look, der digital einfach nicht zu imitieren ist.

Ich habe nichts gegen Emulation oder moderne Bildschirme, aber so gefällt mir Retrogaming persönlich am besten. Ich habe Glück und meinen Sony PVM damals schon vor dem großen Hype gekauft. Eine Postproduktionsfirma in meiner damaligen Heimatstadt Mainz hatte ihr Setup digitalisiert und ihre 20″ Schnittmonitore rausgeworfen – für 150 Euro das Stück. Damals habe ich den 14″ PVM den ich davor hatte für einen Kasten Bier an einen Sammlerkollegen abgegeben.

Der Fernseher liefert ein erstklassiges Bild, Voraussetzung ist aber ein möglichst hochwertiges analoges Video-Signal. Für Videospielkonsolen ist das RGB über Scart – leider können das nicht alle. Damit ich alle Konsolen ohne großes Stöpseln an die Glotze anschließen kann braucht es also zwei Switches: Einen für alle Konsolen die eben ein RGB-Signal per Scart liefern und einen für alle mit dem einfacheren Composite Video-Signal aus dem gelben Stecker.

Platz-Probleme

Stößt am seine Grenzen: Bandridge SVB7725

Außerdem schirmt der Bandridge die Signale nicht sauber voneinander ab. Wenn eine andere Konsole lief, leuchtete die Power-LED am Megadrive getrieben durch das andere Signal – das schien mir nicht so super gesund für die Komponenten auf dem Board der alten Sega Konsole.

Der Markt ist überschaubar

Also habe ich recherchiert, was es denn so auf dem Markt gibt und mir ist aufgefallen, dass der Markt sehr klein und dass Retrospieler anscheinend eher wohlhabend sind. Es gibt eine 8-fach Hydra für 190 Euro. Oder eine 16-fach Hydra für 265€ und bestimmt auch eine 128-fach Hydra irgendwo da draußen. Es gibt den A101 RGB-SCART Switcher für 220$, gscart Automatic 8:2 SCART für 324$ oder den GamesCare 8 in 2 out Smart SCART Switch für 178€. Immer dann noch plus Versand und oft auch VAT. Sogar so ein alter Bandridge Switch den ich in Reihe mit dem existierenden hätte schalten können, kostet gebraucht 100 Euro. Eindeutig zu viel. Ich verstehe das schon: ein Scart-Switch ist ein Nischenprodukt und wird oft in kleiner Serie hergestellt und ist seim Geld bestimmt auch wert – aber so viel Geld kann und will ich nicht ausgeben.

Aber es gibt da auch noch Scart-Switcher bei AliExpress. Bob von Retro-RGB – die Koryphäe der Szene wenn es um Videoqualität geht – hat einen dieser Switcher die es bei Ali gibt getestet und für gut befunden. Den Nachfolger dieses Switcher mit dem wunderschönen Namen Neuer 10-IN-3Ausgang EUR SCART Distributor 2 Scart 1 RGBS Auto RGBS Video Converter Switcher Board findet man dort von einem Händler namens otaku-games Store.

Am 1. März zum Aktionstag dann ein Preis von 81,39 €. Dazu die 9 Euro Rabatt und so werden aus den 93,39 € dann 72,39 €. 🤷🏼‍♀️

Mit 10 Scart-Eingängen passt er gut auf mein Anforderungsprofil aber mit den drei Ausgängen bin ich überfordert. Aber cool wenn man zum Beispiel noch einen Upscaler für einen modernen Fernseher und eine Capture-Card anschließen will. Zusätzlich kann man wohl einen weiteren baugleichen Switcher mittels einer Art IO-Port in Reihe anschließen um dann noch mehr Geräte an denselben Fernseher zu betreiben, ziemlich cool.

Es wird keine Anleitung mitgeliefert – dies ist die Anleitung.

„The product belongs to the working principle of mechanical straight through, with very good compatibility, and there will be no interference when multiple machines work at the same time.“

Es ist immer leicht sich über schlechtes Englisch lustig zu machen, aber dieser Satz brachte mich zum Schmunzeln und deutet an, dass dieser Switcher das MegaDrive-Strom-Problem lösen würde. Auch cool.

Die Bewertungen für das Produkt aus aller Welt sind mit 5 von 5 Sternen bei fast 60 Bewertungen auch einfach makellos. Wieder cool.

AliExpress ist ja immer ein bisschen unübersichtlich: an den Kombi-Knallern und Bundle-Deals vorbei, die Gratisgeschenke abgelehnt und irgendwo noch einen Rabatt erhaschend habe ich dann den Switcher inklusive Versand für 70,57€ bestellt. Hier lohnt es sich immer mal auf Aktionen usw. zu achten, auch Erstbestellungen sind irgendwie günstiger.

Die Sendungsverfolgung bei AliExpress ist schön ausführlich und so konnte ich sehr gut nachvollziehen wo mein Paket in den 11 Tagen bis es bei mir war gerade so rumlag. Ich hatte Glück und der Zoll kein Interesse.

Versand und Vorbereitung

Nach dem Auspacken war ich aber ein wenig enttäuscht, denn die Plexiglasplatte die über der Technik thront hatte einen Riss. Und eigentlich war das auch nur logisch, denn an der Stelle des Switchers ist der Abstandshalter irgendwie an der falschen Stelle, erzeugt einen Überhang des Plexiglases, der dann bei relativ geringem Druck bricht. Ich habe das dem Händler direkt gemeldet und er hätte mir eine neue Plexiglasplatte geschickt. Aber der Switcher funktioniert, liegt bei mir ganz hinten im Setup und wir müssen an der Stelle nicht noch mehr Dinge per Flugzeug um die halbe Welt verschicken. Ich habe verzichtet.

Wäre der Abstandshalter weiter vorne, wäre nix gebrochen

Ich habe die Chance genutzt und meine Retroecke komplett auseinandergenommen, ein wenig umgestellt, diesmal mit Kabelbindern ordentlich neu verkabelt und sogar ein kleines Extraregal im Regal gebaut, damit ich auch wirklich alles vernünftig unterkriege. Ja so Cable-Porn-mäßig sind die Kabel nicht verlegt, aber wenigstens sind sie nicht einfach nur ein Haufen Knoten wie vorher.

Eindrücke und Bewertung

Und der Switcher ist richtig gut. Er schaltet automatisch – also schaltet man eine Konsole an, switcht er mit einem befriedigenden „Klack“ automatisch auf den richtigen Kanal und eine LED am Kanal leuchtet auf. Schaltet man dann eine weitere Konsole ein – klack – wechselt er zu dieser und so weiter. Klack, klack, klack. Schaltet man die Konsolen aus, switcht er in gleicher Reihenfolge wieder zurück. Man hat von außen keinen direkten Einfluss auf den Input-Kanal – es gibt keinen weiteren Knopf zum Schalten – aber den brauche ich ja auch eigentlich nicht. Das Ganze fühlt sich sehr nahtlos und entspannt an, da ich so nicht mehr manuell schauen und schalten muss auf welchem Kanal das SNES jetzt zum Beispiel liegt.

Der 10in-3Out braucht Strom. Den bekommt er per USB, und wenn ich es richtig verstehe, reicht ein schlichtes Handy-Netzteil – ich habe in der bei mir im Setup verbauten Steckdosenleiste USB-Anschlüsse, und das klappt prima.

An den Scart-Ausgängen sind kleine DIP-Switches, die in meinem Aufbau aber keinen Unterschied im Bild machen – vielleicht regelt hier der PVM automatisch, keine Ahnung.

Hinten gibt es neben einem weiteren RGBS-Video-Out noch einen Audio-Out per kleiner Klinke und einen gelben Knopf. Der ändert das Ausgangsbild deutlich in Richtung Grün. Ich könnte mir vorstellen, dass der etwas mit dem Sync zu tun hat, aber da bin ich überfragt.

Die Bildqualität kann ich nur laienhaft optisch beurteilen und sie liegt für mich über dem Bandridge Switch – ich bilde mir ein weniger Rauschen in den Schwarztönen zu sehen. Checkt da aber noch mal Bobs Erfahrungen. Für mich werden Bild und Ton ohne spürbaren Lag direkt auf die Röhre gebeamt und keine der Konsolen macht im Setup Probleme. SNES, MD, GameCube, Xbox, PC Engine und PS2 laufen einfach tiptop.

Was der Switcher nicht kann ist Composite Video – meistens der einzelne gelbe Cinch-Stecker. Ich habe ausprobiert das NES und den N64 mit einem Composite-auf-Scart-Adapter am Switcher zu verwenden. Das macht mit dem Sony PVM keinen Sinn, weil das Signal vom Switcher in den dedizierten RGB-Eingang geht, aber der Switcher hat das Signal nicht mal als solches erkannt und den entsprechenden Kanal auch nicht mit einem Klack geöffnet und es ging auch keine LED an. Wenn man also auch Composite Video-Geräte im Setup hat und der TV hinter dem Switcher auch Composite-Signale über den Scart-Eingang versteht, was viele Consumer TVs können, braucht man trotzdem einen alternativen Weg in die Glotze, denn man kann ja nicht manuell switchen um das Signal trotzdem durchzuschleifen.

Ich bin auf jeden Fall sehr happy mit dem neuen Gerät und würde es für den vergleichbar günstigen Preis weiterempfehlen. Ich überlege sogar, ein ähnliches Gerät für Composite-Video mit ins Setup zu nehmen, da das automatische Schalten schon sehr komfortabel ist. Klack.

Klack.

Klack.

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