Geschichten in Details

Ein Grund warum mir das Sammeln und Kaufen von gebrauchten Videospielen so viel Spaß macht, sind die Geschichten die in den Details Stecken.

Kürzlich habe ich Enslaved: Odyssey to the West gekauft. Ein Spiel dass jetzt schon 13 Jahre auf dem Buckel hat. Dabei handelt es sich um ein – wenn auch spielerisch nicht besonders innovatives dann doch erfreulich unterhaltsames und technisch einwandfreies – Spiel. Ein Spiel dass sich an dem traditionellen chinesischem Roman „Die Reise nach Westen“ aus dem 16. Jahrhundert anlehnt, das ganze aber in eine Postapocylptische Zukunft verlagert.

Um die Bewegungen seines Hauptcharakters möglichst realistisch zu machen, wurde der damals gerade super aktuelle Gollum-Schauspieler Andy Serkis engagiert und gemocaped. Und man schien sich sicher, dass man ein gutes Spiel geschaffen hat, denn es wurde – auf den sicheren Verkaufserfolg hoffend – in größeren Stückzahlen hergestellt.

Doof nur: kaum einer hat es gekauft. Auch wenn Enslaved heutzutage auf jeder XBox-360-Hidden-Gem-Liste unter den Top 10 immer dabei ist, war der Preis den ich bezahlt habe 5 Euro inklusive Versand. Normalerweise steigen die Geheimtips nach einiger Zeit gerne mal deutlich im Preis. Ein Skandal für das Spiel, ein großes Glück für mich und ein Indiez für ein zu hohe Auflage. Das ist schon mal alles ganz grandios.

Heute nun kam das Spiel mit der Post und überraschte mich. Zunächst ist auf dem Cover neben dem Titelbild noch ein weiterer Aufdruck: Die Zeitschrift 360 Live 10 / 2010 bescheinigt dem Spieler „Muss man haben!“ und „Alles, was der Spieler will“ und vergibt die Prädikate „Kauftipp“ und „Geheimtipp“

Ich finde es immer ein bisschen seltsam, wenn mit Aussagen von Magazinen geworben wird, die den Namen der Plattform im Titel tragen. Auf die Empfehlungen des Club Nintendo-Heftes, das es als Werbemaßnahme umsonst beim Händler gab, konnte man ja auch nicht unbedingt bauen. Wahrscheinlich tue ich 360 Live aber auch unrecht.

Der Aufdruck deutet für mich auf eine etwas spätere Auflage hin. Womöglich verkaufte es sich nicht so wie erwartet und der Hersteller wollte hier noch mal schnell die Qualität des eigenen Produktes anpreisen, um den unentschlossenen Spieler den letzten Schubs zum Kauf geben. Kauftipp! Geheimtipp! Jetzt aber! Es gibt auch Varianten ohne den Aufdruck.

Die Box kommt mir etwas leicht vor und ich hatte zunächst Angst, dass die auf eBay versprochene Anleitung nicht enthalten ist. Aber zum Glück ist sie da. Irgendwie ist die DVD-Box des Spiels seltsam. Zwei Kreisgroße Aussparungen im inneren und eine seltsame Gravur fallen mir auf: Eco-Box. Ich vermute erstmal einen nicht lizensierten Ersatz.

Ein paar Google-Ergebnisse später war ich schlauer. Es ist tatsächlich eine offizielle Box und die Idee hinter den Aussparungen ist es Plastik aus ökologischen Gründen einzusparen. Das sehe ich zum ersten Mal. Schade, dass es sich anscheinend nicht durchgesetzt hat. Ist bei den Spielern leider nicht so gut angekommen.

Dann pranken noch zwei Aufkleber auf der Vorderseite, diesmal von einem der Vorbesitzer des Spiels.

Zum einen ein Etikett mit Preis von Strongvision in Esslingen und darunter der Hinweis, dass es sich um eine Leerhülle handelt und es das Spiel an der Theke gibt. Hier wurde das Spiel also schon einmal gebraucht verkauft, sonst wäre der Preis wahrscheinlich höher und das Etikett zusammen mit der Folie in die das Spiel neu eingeschweisst war im Müll gelandet.

Seltsam ist es, dass um das Loch auf der Disk ein weiterer Aufkleber auf Strongvision hinweist. Das macht eigentlich im Verkauf keinen Sinn, vor allem wenn die Disk an der Theke liegt. Wurde das Spiel wie in einer Videothek verliehen? Wahrscheinlich eher nicht, da ich dann weitere Aufkleber mit Nummern oder mit Edding-Markierungen auf der Disc erwartet hätte.

Strongvision gibt es anscheinend immer noch.

Ich bekam das Spiel allerding aus Gelsenkirchen zugeschickt. Die Verkäuferin mit der Marihuana-Anspielung im Nickname heißt Sophie. Die anderen Artikel von Sophie auf eBay sprechen für eine Sammlerin: Gameboy-Player für den Gamecube, bisschen PS1 und PS3. Warum Enslaved nicht für Sophies Sammlung taugt? Keine Ahnung.

Wo das Spiel zu erst gekauft wurde ist schwer zu sagen. Aber jemand hat es wohl irgendwann an Strongvision verkauft. Die haben es weiterverkauft und vielleicht hat Sophie es dort direkt oder über weitere Umwege erworben. Danach kam es dann zu mir. Wenn jeder in der Kette – der Erstkäufer, hoffentlich auch der Besitzer von Strongvision, Sophie und Ich – das Spiel gespielt hat, spricht das für die Macht und den Sinn des Gebrauchtmarktes.

Auf jeden Fall hat es das Spiel mindestens von Stuttgart über den Pott bis nach Hamburg geschafft. Aber taugt das weit gereiste, oft verkaufte Spiel? Ja es taugt. Alles was der Spieler will. Muss man haben. Kauftipp – auch von mir.

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