PickUps #05 – viel Switch, noch mehr Gelaber

Nachdem Weihnachten mit der erweiterten Familie erstaunlich kuschelig und gänzlich ohne Eklat oder fragwürdige politische Aussagen angeheirateter Onkel vonstatten ging, kam ich gut gelaunt nach Hause, um festzustellen, dass mein Arbeitgeber einen Weihnachtsbonus an mein Gehalt gehängt hatte – wie großartig.

Mit dem Weihnachtsbonus wäre eine Switch 2 drin gewesen, aber ich habe einfach noch nicht das Bedürfnis, mir eine zu kaufen. Die Keycards sind ein Grund, der Preis des Systems und der Spiele ein anderer – aber vor allem fehlen mir noch die System-Seller. Was würde ich spielen, wenn ich eine Switch 2 hätte? Donkey Kong sieht okay aus, Kirbys Air Ride, ich weiß nicht, und Metroid Prime 4 wirkt auch nicht so solide. Also wahrscheinlich hauptsächlich Switch-1-Spiele.

Nintendo, Sony, Microsoft: AAA-Gaming steckt tief in der selbstgemachten Krise. Massenentlassungen, ewige Fortsetzungen, unnötige Remakes, Malen-nach-Zahlen-Games und gefühlt giergetriebene Fehlentscheidungen links und rechts. Aber das ist ein anderes Thema – Gott sei Dank gibt es Indie-Studios.

Dem Videospiel-Sammel-Hobby scheint auf lange Sicht die Luft auszugehen. Ich bin mir nicht sicher, ob die nächste Generation an Konsolen überhaupt noch auf physische Medien setzt oder uns Sammler – wie Nintendo mit der Switch 2 – maximal mit Keycards oder Code-Discs bei Laune halten wird. Leeren Packungen oder Keycards möchte ich keinen Platz in meinem Regal geben – das fände ich seltsam. Gleichzeitig wird Gaming wohl auch durch den KI-Boom teurer – denn RAM und Speicher werden unverschämt teuer, und was Sony und Nintendo an Gewinnmarge über die Hardware fehlt, geben sie an uns weiter: Konsolen und Games werden einfach teurer.

Laut Spiegel ist da auch noch kein Ende in Sicht:

Und ein Ende der Speicherkrise ist nicht absehbar. Das sagt nicht irgendwer, sondern geht aus einem internen Papier des führenden Speicherherstellers SK Hynix hervor. Er prognostiziert, dass die klassische Arbeitsspeicher-Produktion die Nachfrage bis ins Jahr 2028 nicht decken kann. […] Neue Fabriken werden demnach erst ab dem Jahr 2028 schrittweise in den Betrieb gehen und zusätzliche Kapazitäten bereitstellen – bis dahin ist mit einem Engpass zu rechnen.

Währenddessen überschlagen sich die Sammel-YouTuber und prognostizieren entweder das Ende des Sammelns oder alternativ den perfekten Zeitpunkt zum Einstieg ins Hobby. Gleichzeitig ist der Markt für alte Videospiele fest in der Hand der Händler und Reseller, und die sind froh, wenn die Preise hoch bleiben. Besucht man Videospielläden, die gebraucht verkaufen, oder Retrobörsen, sind die Preise meist über dem Niveau bei eBay. Dazu kommt dann noch – im Falle der Börsen – eine meist längere Anfahrt und ein Eintrittsgeld. Klar kann man da immer ein bisschen handeln, das steht dann aber in keinem Verhältnis, und so lohnen sich die Börsen nur als soziale Events.

On top kommen dann Spekulanten, die plötzlich im Sammelhobby auftauchen und Spiele als Geldanlage zum Grading verschicken und aus Millionensellern rare Einzelstücke machen.

Dadurch habe ich als Sammler gefühlt einen immer teurer werdenden Gebrauchtmarkt im Nacken und das Ende der physischen Medien direkt vor mir. Der Sweetspot ist wohl aktuell die 8. Konsolengeneration mit PS4, Xbox One und Switch. Und für diese Jungtimer-Systeme sammelt es sich auf jeden Fall noch ganz wunderbar. Also habe ich dann lieber ein paar Titel für Nintendos Vorgängerkonsole und ein PS5-Spiel in den Einkaufskorb geworfen, statt eine Switch 2 zu kaufen, und den deutlich größeren Anteil des Weihnachtsgeldes gespart. Hier ist, was ich gekauft habe:

Bakeru (Switch)

Good-Feel ist ein japanischer Spieleentwickler, der meistens für Nintendo-First-Party-Titel entwickelt. Hauptsächlich die Yoshi-Titel der letzten zwei Konsolengenerationen. Oder Kirby’s Epic Yarn für die Wii. Davor haben die Gründer der Firma bei Konami gearbeitet und wohl an der Goemon-Reihe – im Deutschen Mystical Ninja genannt – gebastelt. Aus der Reihe haben es aber nur zwei – einer für das SNES und einer für das N64 – von Dutzenden Titeln aus Japan heraus geschafft. Beide liegen noch in meiner Schublade der Schande – dem Backlog.

Und jetzt lege ich einen spirituellen Nachfolger der Serie dazu. Der Held ist so eine Art Trommel-Samurai, der Japan von einer bedrohlichen Gefahr befreien muss. Dazu gibt’s größere 3D-Level, durch die man durchmarodiert, Gegner zertrommelt, kleinere Puzzle löst und Bosse verdrischt. Das Ganze hat einen sehr comichaften Look mit kräftigen Farben, sieht dabei stylish designt aus, soll sich wunderbar spielen, aber jetzt auch keine Bäume ausreißen. Der Schwierigkeitsgrad wird als entspannt beschrieben – ich denke, das matcht mit meinen Anforderungen.

Wie seltsam ist bitte der Trailer mit seinem Voice-over: You can’t forget the giant robot battles!


Neva (Switch)

Neva stammt vom spanischen Indie-Studio Nomada. Die waren auch für Gris verantwortlich, das ich 2021 über Special Reserve gekauft habe. Aber das limitiert geglaubte Spiel hat dann doch einen Standard-Release in Europa erhalten. Der europäische Release war natürlich insgesamt rund halb so teuer – dafür sieht meine Box jetzt bissi anders aus. Wow.

Trotz all dem fand ich Gris ganz hervorragend. Gris ist zwar ein Spiel, aber eigentlich mehr eine interaktive Design- oder Kunsterfahrung: metaphorisch aufgeladen, interessant erzählt und visuelle ein kleines Meisterwerk. Wer einen Puzzle-Platformer um des Puzzelns und Platformens erwartet, wird sicherlich enttäuscht sein. Gris ist kurz und nicht sehr anspruchsvoll, aber auch emotional, künstlerisch aufregend und eine recht eigene Erfahrung.

Und ich hoffe, dass Neva – der geistige Nachfolger – genau in die gleiche Richtung geht. Der Trailer sieht aus, als gäbe es diesmal ein bisschen mehr Spiel, aber die Vistas und das Design sehen erneut fantastisch interessant aus.


Uforia: The Sage 2 (Switch)

Tja, das war ein sehr spontaner Kauf. Ich erkläre mir selbst den Kauf folgendermaßen: Ufouria: The Saga ist ein Proto-Metroidvania der NES-Ära von Sunsoft. Dies ist der Nachfolger – 24 Jahre später. Ich mag Sunsoft und Metroidvanias.

In Japan heißt die Serie Hebereke und hat ungelogen ein Dutzend verschiedene Games. Der erste Teil war damals tatsächlich mit leichten Metroidvania-Anklängen schon echt außergewöhnlich.

Ufouria 2 ist ein 2D-Platformer, in dem man mit verschiedenen Charakteren mit unterschiedlichen Fähigkeiten spielt. Ich denke, man wechselt dann je nach Hindernis zum passenden Charakter. Das Ganze sieht zuckersüß aus, hat eine Bastelpapier-Ästhetik, nimmt sich selbst nicht so ernst und soll humorig und nicht sonderlich schwierig sein. Klingt erst mal entspannt.

Eigentlich ist dies das einzige Spiel in dieser Pickup-Runde, mit dessen Kauf ich hadere. War das jetzt ein guter Kauf oder rausgeworfenes Geld? Ich hätte ja gerne erst mal den ersten Teil für das NES, aber der kostet 75 Euro, und das ist mir immer ein bisschen viel. Da waren die 20 Euro für den modernen Nachfolger ein echter Schnapper.

Bleibt mir wohl nichts übrig, als das Spiel auszuprobieren. Ich werde dann berichten.


Blue Prince (PS5)

Blue Prince hat 2025 echt abgeräumt: Bestes Indie-Game hier und da und bestes Game bei den Indie-Awards. Awards und Auszeichnungen von hier bis Meppen. Verdient? Bestimmt, oder?

Soweit ich weiß, ist Blue Prince ein Puzzle-Roguelite, in dem man den Grundriss einer Villa zusammenstellt. An jeder Tür des Hauses muss man entscheiden, welcher von drei zufällig gewählten Räumen einen dahinter erwartet. Das Ganze passiert auf einem Grid, das 45 Räumen Platz bietet; Ziel ist es, in den 46. Raum zu gelangen. An der Aufgabe merkt man schon, worum es geht: Auf dem Weg zum Ziel läuft man in Egoperspektive durch den selbst gewählten Grundriss des Hauses und muss dabei wohl recht anspruchsvolle Rätsel lösen. Pro Tag kann man aber immer nur eine bestimmte Anzahl von Schritten laufen, bevor der Tag endet. Und an jedem neuen Tag wird das Haus wieder komplett zurückgesetzt.

Klingt kompliziert, aber wirklich sehr interessant. Ich bin saugespannt, denn das Spielprinzip klingt abgefahren, sehr originell, und die Kritiken sind wirklich famos. Ich finde auch die geheimnisvolle Stimmung in den Trailern richtig gut, und es scheint auch ordentlich Story zu geben. Ich bin also auch ordentlich gehypt.


Momodora: Moonlit Farewell (Switch)

Momodora: Moonlit Farewell ist der neueste und fünfte Teil der Momodora-Serie vom kleinen brasilianischen Indie-Studio Bombservice. Zu PS4-Zeiten bin ich auf den Vorgänger Momodora: Reverie Under the Moonlight aufmerksam geworden und habe diesen damals im Sale digital für weniger als 5 Euro gekauft. Der Vorgänger Reverie Under the Moonlight ist ein klassisches Metroidvania und gefiel mir richtig gut – ein echtes Hidden Gem. Den Limited-Run-Release habe ich damals verpasst – jetzt kostet das Spiel ab 100 € auf eBay, tja.

Als vor einiger Zeit nun der neueste und fünfte Momodora-Teil erschien, war ich dementsprechend interessiert. Aber auch hier lief der einzige physische Release über Limited Run. Ich bin kein Fan davon, Spiele bei LRG zu kaufen: Mit Steuer, Versand und Zoll kostet der Spaß dann gerne das Doppelte, und oft genug kommt der exklusiv geglaubte Titel dann doch noch insgesamt deutlich günstiger in Europa auf den Markt. Umso cooler, dass Netgames ein paar Limited-Run-Spiele im Angebot hat und ich so vergleichsweise günstig zu meinem Exemplar gekommen bin. Es lohnt sich immer mal, bei Netgames nach exotischen Spielen zu forschen.

Auch Momodora: Moonlit Farewell ist ein klassisches, aktionsreiches Metroidvania in schicker Pixeloptik und, wie der Titel sagt, der Abschluss der Spielereihe. Mit jedem Teil der Reihe scheint sich die Pixelgrafik zu steigern, hier ist einfach der Detailgrad deutlich hochgeschraubt. Traditionell spielt man eine wehrhafte weibliche Protagonistin, die im Laufe des Abenteuers neue Fähigkeiten und Upgrades erhält. Man kämpft sich dem Genre entsprechend 2D-platformend durch eine offene Spielwelt, die den Spieler fürs Erkunden belohnt. Die Story der Momodora-Titel hängt irgendwie zusammen und wurde zumindest beim Vorgänger gut erzählt, ohne zu viel zu plappern. Dazu gab’s eine leicht melancholische Stimmung – und ich hoffe, die gibt’s hier dann auch. Ein bittersüßer Abschied fände ich prima. Gucken!

Danke – auch dieses Mal – für Dein Interesse. Grüße gehen raus.

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