PickUps #04 – Zeit, Killer und Zeitkiller

Das letzte Pick-ups-Posting des Jahres: Ich habe mal wieder ein paar Spiele gekauft. Einen modernen Klassiker, einen Lückenfüller, einen Dreierpack, nur um ein bestimmtes Spiel zu spielen, ein Hack-and-Slay-Action-RPG und ein Horrorspiel. Aber zuerst nörgle ich über Spiele, die ich nicht gekauft habe.

Ich war im Urlaub. Und eigentlich bringe ich mir jedes Jahr aus dem Urlaub ein Spiel oder zwei mit – quasi als Andenken. Es macht irgendwie Spaß, ein spanisches Hollow Knight in der Sammlung zu haben und mich dann an den netten Urlaub auf Teneriffa zu erinnern, wenn ich es in die Hand nehme. Dieses Mal waren wir auf Madeira – nicht wegen des Hypes, sondern weil wir alle anderen Inseln in vertretbarer Reichweite, die im Winter angenehm temperiert sind, schon abgegrast haben. Nächstes Jahr wird’s da echt schwer noch was zu finden – Zypern vielleicht.

Meine Recherchen nach Videospiel-Läden auf der Insel hatten ergeben, dass CEX in Portugal ein Ding ist und es dort drei Filialen gibt. CEX kenne ich von den britischen YouTubern, die da in England gerne hingehen und natürlich immer coolen Shit finden. Dementsprechend hoffnungsvoll war ich.

Nun – ich war in allen drei Filialen, und das Angebot an gebrauchten Spielen war leider sehr bescheiden. Hauptsächlich Standard-Kram: Modern Duty, Assassins Redemption und The Last of Forbidden West (okay, das letzte Beispiel funktioniert nicht – aber ich denke, ihr versteht). Es gab aber immer eine PS2-Ecke – leider nix Gutes dabei – und auffallend viele PSP- und Vita-Spiele. Cool, aber für mich nicht interessant. Ich habe nur ein GameCube-Spiel gesehen – Rocky – in einer Vitrine. Schade, aber als Wiedergutmachung habe ich mir in Deutschland mal wieder ein paar Games besorgt.

Persona 5 Royal (PS4)

Persona 5 ist ein ganz grandioses Spiel – umso mehr schmerzt es mich, dass ich es nur fast durchgespielt habe und dann war es weg. Ich musste es der Person von der ich es geliehen hatte zurückgeben. Es war nicht meine Schuld, es war nicht Personas Schuld. No hard feelings – so ist das manchmal. Neulich ging es dann bei den Jungs von Hooked um Metaphor: ReFantazio, und dort wurde das Spiel mit Persona verglichen. Da habe ich mich an meine gute Zeit mit Persona 5 und die Schande des verpassten Durchspielens erinnert, habe entschieden, dass es mindestens mal in die Sammlung muss und ich dann irgendwann vielleicht die 100 Stunden in Kauf nehme, um es noch mal zu spielen.

Persona 5 ist eine Mischung aus Life-Sim und JRPG und hat eine ganz eigene Gameplay-Mischung. Am Tag ist man Schüler in Tokyo, hat Unterricht, lernt, geht auf Dates, Arbeitet, trifft sich mit Freunden oder trainiert. Bei Nacht steigt man in die Träume von fiesen Menschen und versucht sie zum Guten umzukrempeln. Dazu sammelt man in Kämpfen so eine Art Geister-Pokémon und lässt sie für die eigene Truppe in rundenbasierten Kämpfen antreten. Dabei werden durchaus ernste Themen in den Story-Episoden verhandelt. Klingt wirr, ist aber eine famose Mischung aus tollen Charakteren, coolen Stories, phänomenaler Jazz-Fusion-Musik und einem grandios stylischen Art-Design. Dabei zieht sich stets ein spürbarer, ironischer Humor durch jede Facette des Spiels, gewürzt mit ganz viel japanischer Pop- und Alltagskultur. Sicherlich eines der besten Spiele seiner Generation und seines Genres.

Die Royal-Variante bezeichnet hier die Definitive Edition mit ordentlich Extras: Nach dem normalen Ende gibt’s noch mehr Story, ein Level mehr samt Endgegner. Es gibt neue NPCs fürs eigene Team und wohl einen neuen Ort für die Freizeit. Dazu gibt’s dann noch Gameplay-Verbesserungen und ein verbessertes Balancing. Ich habe mich für die PS4-Variante entschieden, weil die einfach günstiger war. Die PS5 hat ein paar mehr Frames – 60 statt 30 – und der DLC ist auf der Disk. Die Frames sind mir meist egal – Hauptsache, sie dippen nicht die ganze Zeit, und auf den DLC kann ich auch verzichten – größtenteils sind das Kostüme für die Charaktere. Als Download sind diese aber trotzdem enthalten.

Quantum Break (XBox One)

An den Bissspuren auf der Hülle erkennt man das Frustpotential des Titels

Alan Wake und Control sind zwei sehr kreative und cool erzählte Spiele mit ziemlich langweiligem Gameplay. Sie stammen vom Entwickler Remedy Entertainment. Ich habe beide trotz des ewig gleichen Geballers sehr gerne gespielt. Der neue Trailer für Control 2 sah auch wieder richtig cool aus. Ich hoffe, ich kämpfe darin nicht wieder stundenlang stumpf gegen in Arenen nachspawnende, ewig gleiche Schattenmänner, damit ich zwischendrin die coolen Ideen in der spannenden Story erleben darf. Das muss Remedy Entertainment in meinen Augen einfach besser machen.

Quantum Break stellt bei mir eine Lücke im Œuvre von Remedy dar. Ein Xbox-exklusiver Third-Person-Shooter im Remedy-Universum. Ich hatte lange einfach keine Xbox One – bis mein Neffe mir neulich mal seine überließ. Guter Neffe. In Quantum Break gibt’s vermutlich wieder das ewig gleiche Geballer, aber diesmal mit einer interessanten Zeitmanipulations-Thematik. Aber es gibt auch wieder eine interessante Story – Zeitreise und so. Die Story wird diesmal zusätzlich in filmisch produzierten FMV-Episoden erzählt, die wohl auch mal 20 Minuten lang sind, das Spiel unterbrechen und die Handlung vorantreiben. Diese Clips passten nicht auf die Disc und werden während des Spielens aus dem Netz geladen und liegen wohl in mehreren Varianten – je nach Entscheidung im Spiel – vor.

Dann gibt’s 50 % Spiel und 50 % Film. Ich dachte, ich müsste das noch mal spielen, bevor Microsoft entscheidet, dass die Videos nicht mehr gehostet werden müssen – denn ein Erfolg war Quantum Break nicht, auch nicht unbedingt bei den Kritikern. Aber mein Interesse zielt eh auf die Story ab. Ich hoffe, sie taugt.

Meine Kopie kam über eBay für 5,99 € – dafür sieht die Hülle aus, als habe jemand versucht sie zu essen. Meine forensische Analyse kommt zu dem Schluss, das die Gebissspuren entweder einem kleinen Hund oder einem kleinem Kind gehören. Ich hoffe auf einen Hund – sonst wäre das schon ziemlich traurig. Gleichzeitig muss der ehemalige Besitzer so fasziniert vom Spiel gewesen sein, dass sein Haustier oder Nachwuchs Zeit hatte die Packung zu kauen – es scheint ein spannende Spiel zu sein. Das ist doch gut, oder?

Champions of Norrath (PS2)

Ehrlich gesagt weiß ich nicht so ganz, was mich geritten hat. Champions of Norrath ist ein Spiel, das wohl stark in Richtung Diablo geht – und Diablo finde ich ziemlich langweilig. Gegner klicken, bis sie explodieren, um dann sehr ähnliche Gegenstände zu vergleichen und sich dann für den um ein Mü Besseren zu entscheiden. Irgendwer irgendwo im Internet hat von dem Spiel geschwärmt, ich war fasziniert und habe es dann sehr impulsiv für 11 Euro gekauft.

Im Nachhinein lese und höre ich viele Liebeserklärungen an das Spiel im Netz. Es gehört wohl zum EverQuest-Universum, und ich habe zwar den Namen schon gehört, aber weiß nicht mehr als dass es ein Online-Rollenspiel aus den 2000ern ist oder war. Aber hey, jetzt ist das Kind im Brunnen, und vielleicht macht’s mir ja echt Spaß. Wikipedia beruhigt mich da ein bisschen mit den Worten: „Das Spiel erhielt in der Fachpresse hohe Bewertungen.“ Dann ist ja gut – das Kind kann schwimmen.

Pack de jeux Xbox LIVE Arcade / Xbox Live Arcade-Spielepaket (XBox 360)

Auch bei Hooked wurde ich an Geometry Wars erinnert. Die sprachen nämlich über Sektori und da drängt sich der Vergleich natürlich auf. Ich habe einen komischen Faible für Twin-Stick Shooter. Nicht für alle, aber es kommt immer wieder mal vor, dass ich auf genau den Shooter treffe bei dem ich das Gehirn ausschalte und fast schon instinktiv und sehr kathartisch im Tunnel ballere. Geometry Wars gilt irgendwie schon als Meilenstein des Genres. Also habe ich ein bisschen geforscht.

Physisch gibt es Geometry Wars: Galaxies für die Wii und für den Nintendo DS – aber auf beide Systeme habe ich nicht so Lust. Die Wii mit Ihrer Matsche-Auflösung und der DS mit seinem kleinen Display – ich wollte irgendwie das das Spiel mit seinen psychedelischen Effekten ordentlich schallert. Es gibt wohl eine physische Version von Geometry Wars: Evolved auf der XBox One – aber die ist anscheinend US exklusiv und schwer zu finden. Dann habe ich den zweiten Teil der Serie in dieser Sammlung von Arcade Titeln gefunden. Bei eBay für 5,29 € inklusive Versand ein No-Brainer.

Interessant, dass die Spielesammlung direkt in zwei Sprachen gebrandet ist und so auf dem deutschen und französischen Markt rauskam. Was ist mit dem Rest von Europa? Warum nicht wie so oft einfach eine englische Variante für die EU? Wieso so ein liebloses Cover? Was habe ich denn da im Pack de jeux jetzt überhaupt gekauft?

Geometry Wars: Retro Evolved 2 ist, wie gesagt, ein psychedelischer Twin-Stick-Shooter mit toller Optik und vielen Pixeleffekten. Alles explodiert, es gibt Techno.

Dazu gibt’s dann Lumines Live. Auch davon gab’s neulich eine neue moderne Version, Lumines Arise, die an Tetris Effect angelehnt ist – alles Spiele von Tetsuya Mizuguchi, der zum Beispiel auch Rez gemacht hat. Lumines ist eine Mischung aus Puzzle- und Rhythmusspiel: Man muss aus farbigen Blöcken Quadrate derselben Farbe bauen – die bauen sich dann ab. Der Abbau geschieht aber erst, wenn die taktgebende Linie, die regelmäßig von links nach rechts über das Spielfeld läuft, das Quadrat berührt. Man baut dann sehr hektisch möglichst große Quadrate, während der Taktgeber langsam immer wieder auf einen zukommt. Ziemlich funky und gar nicht so easy. Ich muss das mal ausprobieren – auch um abzuschätzen, ob Lumines Arise was für mich ist – denn Tetris Effect fand ich schon sehr cool. Der Zusatz Live im Titel meint hier den Online-Multiplayer. Es soll aber auch einen Singleplayer-Modus geben.

Zum Schluss dann noch Bomberman Live – und das ist genau das, was man unter dem Namen erwartet: Bomberman mit Onlineplay. Auch hier wohl mit Singleplayer – aber Bomberman alleine ist eine traurige Angelegenheit.

Killer Frequency (Switch)

Hier und da wurde Killer Frequency in dem einen oder anderen Podcast oder Video lobend erwähnt – neulich erst von Yetivin. Es könnte der perfekte Sleeper-Hit sein, der immer gern gefundene, versteckte Edelstein, den krachmusikhörende Jesus-Imitatoren gerne empfehlen.

Killer Frequency ist ein Horror-Adventure und ich glaube, so eine Art Walking Simulator. Man spielt einen Radio-DJ, der von den Opfern eines Serienmörders in seiner Sendung angerufen wird, kurz bevor diese von selbigen getötet werden. Je nachdem wie man entscheidet, entkommen die Opfer dem Mörder oder segnen das Zeitliche. Ich finde, das klingt doch sehr originell.

Das Ganze erinnert mich von der Radiohost-Idee her irgendwie an den Film The Fog von John Carpenter auch wenn es da um Geister ging. Das Spiel soll recht stimmungsvoll gemacht sein und sich einer stilisierten 80er-Jahre-Ästhetik bedienen – lila Licht überall. Diese Ästhetik wurde zwar in den letzten Jahren hart überstrapaziert, aber in diesem Fall könnte das wunderbar passen – denn die 80er waren die Glanzzeit des Slasher-Film-Kinos. Ich lasse das also hier durchgehen. Neu für 4,99 € – damit macht man nichts falsch, hoffentlich.

Danke fürs Lesen, frohe Feiertage und guten Rutsch.

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